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„I bewert’ nix“: Was Kunden vom Bewerten abhält und was sie umstimmt

· Martin Pleißner, Geschäftsführer

Smartphone in der Hand mit einer SMS-Bewertungsanfrage eines Gesundheitszentrums, im Hintergrund ein Wohnzimmer am Abend

Kurz gesagt: Viele Kunden lesen Bewertungen, aber nur wenige schreiben selbst welche. Das liegt selten an fehlender Zufriedenheit. Meist fehlt der Anstoß: Niemand fragt persönlich, der Weg ist zu lang, oder der Kunde fühlt sich gar nicht angesprochen. Oft bremsen auch die Betriebe selbst, weil sie niemanden belästigen wollen. Am besten wirkt eine kurze Bitte durch die Person, mit der der Kunde Kontakt hatte, und eine Nachricht per SMS ein paar Stunden später.

„Unsere Kunden bewerten halt nicht.“ Diesen Satz hören wir von vielen Betrieben, gerade in Österreich. Die Kunden seien zufrieden, aber Bewertungen schreiben, das sei einfach nicht ihr Ding.

Ganz falsch ist das nicht. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. In diesem Beitrag sehen wir uns beide Seiten an: was Kunden tatsächlich vom Bewerten abhält, was Betriebe vom Fragen abhält, und wie Sie beides mit wenig Aufwand lösen.

Warum schreiben so wenige Kunden eine Bewertung?

Bewertungen werden viel öfter gelesen als geschrieben. Eine Umfrage von Bitkom Research aus Deutschland zeigt das am Beispiel von Arztpraxen: 55 Prozent der Internetnutzer lesen zumindest hin und wieder Bewertungen zu Ärzten und medizinischen Einrichtungen. Selbst geschrieben haben eine solche Bewertung aber nur 17 Prozent.

Für Österreich gibt es kaum vergleichbare Zahlen. Unsere Erfahrung aus der Praxis passt aber ins Bild: Die Bereitschaft ist da, sie wird nur selten abgerufen. Zufriedenheit ist für Kunden der Normalfall, und wer zufrieden ist, hat keinen Grund, von sich aus aktiv zu werden. Es braucht einen Anstoß.

Was hält Kunden vom Bewerten ab?

Wenn Kunden keine Bewertung schreiben, stecken meist ganz bestimmte Gedanken dahinter. Diese Sätze hören wir in der Praxis so oder so ähnlich immer wieder:

Was der Kunde denktWas dahinterstecktWas hilft
„Wozu? Das liest eh keiner.“Der Kunde weiß nicht, wie viel seine Meinung bewirktKurz sagen, wofür: „Ihre Bewertung hilft anderen, uns zu finden.“
„Dafür hab ich jetzt keine Zeit.“Der Weg zur Bewertung wirkt aufwendigNFC-Karte oder QR-Code vor Ort, eine SMS mit direktem Link später
„Ich war ja beim Therapeuten, nicht beim Zentrum.“Die Bindung gilt der Person, nicht dem BetriebDie Person mit dem direkten Kontakt spricht die Einladung aus
„Ich will nicht mit meinem Namen im Internet stehen.“Sorge um die PrivatsphäreErklären, dass auch nur Sterne ohne Text möglich sind
„Ich hab gar kein Google-Konto.“Technische HürdeEine zweite, passende Plattform anbieten
„Bewerten tu ich nur, wenn was schiefläuft.“Gewohnheit, Bewertungen als Beschwerde zu sehenAusdrücklich um eine ehrliche Meinung bitten, egal wie sie ausfällt

Auffällig ist: Fast keiner dieser Gründe hat mit Unzufriedenheit zu tun. Es sind Hürden, und Hürden lassen sich senken.

Was hält Betriebe vom Fragen ab?

Die zweite Hälfte der Wahrheit ist unbequemer. Oft sind es nicht die Kunden, die bremsen, sondern die Betriebe selbst. Viele Inhaber tun sich schwer damit, um eine Bewertung zu bitten. Die häufigsten Gründe:

  • „Ich will niemanden belästigen.“ Eine kurze, freundliche Bitte ist keine Belästigung. Viele Kunden empfinden sie sogar als Zeichen, dass ihre Meinung zählt.
  • „Ich will keinen Druck machen.“ Das ist richtig so, und Google verbietet Druck ausdrücklich. Eine unverbindliche Einladung ist aber das Gegenteil von Druck.
  • „Unsere Kunden sind eh zufrieden.“ Genau deshalb lohnt es sich zu fragen. Zufriedenheit, die niemand sieht, bringt keine neuen Kunden.
  • „Was, wenn dann etwas Negatives kommt?“ Kritik kommt ohnehin, auch ohne Bitte. Der Unterschied ist, ob ihr viele zufriedene Stimmen gegenüberstehen oder nicht.
  • „Ich habe gar keinen direkten Kontakt zu den Kunden.“ Dann soll die Person fragen, die diesen Kontakt hat.

Der letzte Punkt führt direkt zu einem Fall aus unserer Praxis.

Aus der Praxis: ein Gesundheitszentrum in Niederösterreich

Das Zentrum gibt es seit fünf Jahren. Die Patienten sind zufrieden, viele kommen seit Jahren. Auf Google sah man davon kaum etwas: Nach fünf Jahren gab es nur eine Handvoll Bewertungen, und auf Google Maps war das Zentrum praktisch unsichtbar.

Seit dem Frühjahr 2026 arbeitet das Zentrum mit SOCIAL PROOF. Wir haben das Google-Profil überarbeitet, und im Zentrum stehen Aufsteller mit QR-Code. Heute hat das Zentrum 22 Bewertungen, alle mit 5 Sternen.

Verlauf der Bewertungen eines Gesundheitszentrums in Niederösterreich seit dem Start mit SOCIAL PROOF: 22 Bewertungen, Durchschnitt 5,0 Sterne

Bewertungen seit dem Start mit SOCIAL PROOF (blaue Linie) und Sternedurchschnitt (orange), Stand September 2026.

Ein guter Anfang, aber da geht noch mehr. Als wir genauer hingeschaut haben, zeigten sich zwei Gründe, und keiner davon lag an den Patienten:

  1. Die Bindung gilt den Therapeuten. Die Patienten verbringen ihre Zeit mit ihrem Therapeuten, nicht mit „dem Zentrum“. Ein Aufsteller im Wartebereich spricht sie deshalb kaum an.
  2. Die Chefin hat kaum Patientenkontakt und will dezent bleiben. Sie sieht die Patienten oft gar nicht persönlich und konnte sie nur über den QR-Code einladen. Dazu kommt, dass sie auf keinen Fall Druck machen möchte. Sie freut sich über jede Bewertung, die von selbst kommt, aber selbst zu fragen fällt ihr schwer.

Die Lösung, die das Zentrum gerade umsetzt, verbindet beides: Die Therapeuten sagen am Ende der Behandlung einen kurzen Satz, etwa: „Wir freuen uns, wenn Sie uns eine ehrliche Bewertung schreiben, Sie bekommen dazu später einen Link per SMS.“ Ein paar Stunden nach dem Termin kommt dann automatisch eine SMS mit dem direkten Link zur Bewertung.

So bleibt der persönliche Bezug erhalten, es entsteht kein Druck im Behandlungsraum, und die Chefin muss niemanden selbst ansprechen. Die Patienten können in Ruhe und in ihren eigenen Worten schreiben, was sie erlebt haben. Wir berichten, wie sich die Zahlen entwickeln.

Warum lohnt sich das Fragen für lokale Betriebe so sehr?

Wer sich mit dem Fragen schwertut, sollte sich vor Augen führen, was auf dem Spiel steht. Ihre Online-Reputation ist ein Vermögenswert Ihres Betriebs:

  • Sie wirkt rund um die Uhr. Ihre Bewertungen überzeugen neue Kunden auch dann, wenn Ihr Betrieb geschlossen ist.
  • Sie entscheidet über Sichtbarkeit. Google zeigt Betriebe mit vielen aktuellen, guten Bewertungen auf Google Maps weiter oben. Auch KI-Suchen wie ChatGPT greifen bei Empfehlungen auf Bewertungen zurück.
  • Sie schafft Vertrauen vor dem ersten Kontakt. Wer Sie nicht kennt, entscheidet anhand dessen, was andere über Sie schreiben.
  • Sie bleibt. Bewertungen gehören zum Google-Profil Ihres Betriebs. Sie wirken über Jahre und bleiben dem Betrieb auch bei einer Übergabe erhalten.

Jede ehrliche Bewertung ist ein kleiner Baustein, der sich über die Zeit summiert. Wer nicht fragt, verzichtet auf diesen Zuwachs, Monat für Monat.

Wie und wann Sie am besten fragen, lesen Sie ausführlich in unserem Beitrag Google-Bewertungen sammeln, ohne zu nerven.

Textvorlage: Warum Ihre Bewertung zählt

Viele Kunden bewerten eher, wenn sie verstehen, warum es dem Betrieb wichtig ist. Diese Vorlage können Sie frei verwenden, etwa auf der Speisekarte, auf Ihrer Website, im Newsletter oder auf Social Media:

Warum Ihre Bewertung zählt Wir sind ein kleiner Betrieb aus der Region. Neue Kunden finden uns vor allem über Empfehlungen, und heute passieren viele davon online. Ihre ehrliche Bewertung hilft anderen bei der Entscheidung und zeigt uns, was wir gut machen und wo wir besser werden können. Es dauert weniger als eine Minute. Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen.

Und eine Kurzfassung für SMS oder WhatsApp, mit Einwilligung des Kunden:

„Danke für Ihren Besuch heute. Wenn Sie kurz Zeit haben, freuen wir uns über Ihre ehrliche Bewertung: [Link]. Das hilft uns und anderen sehr.“

Beide Texte bitten um eine ehrliche Meinung, versprechen keine Gegenleistung und geben keinen Inhalt vor. Damit sind sie im Einklang mit den Google-Richtlinien.

Häufige Fragen

Stimmt es, dass Österreicher ungern bewerten?

Belastbare Zahlen speziell für Österreich gibt es kaum. Eine Bitkom-Umfrage aus Deutschland zeigt aber die Größenordnung: 55 Prozent der Internetnutzer lesen zumindest hin und wieder Bewertungen zu Ärzten und medizinischen Einrichtungen, nur 17 Prozent haben selbst schon einmal eine geschrieben. Die Zurückhaltung ist also real. In der Praxis sehen wir aber, dass sie deutlich kleiner wird, sobald jemand persönlich fragt und der Weg zur Bewertung kurz ist.

Dürfen Mitarbeiter Kunden um eine Bewertung bitten?

Ja. Gerade Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt sind oft die besten Fürsprecher. Wichtig ist, dass alle Kunden gleich gefragt werden, niemand unter Druck gesetzt wird und kein Inhalt vorgegeben wird.

Ist es nicht aufdringlich, nach einer Bewertung zu fragen?

Nicht, wenn die Bitte kurz, freundlich und unverbindlich ist. Ein Satz zum Abschluss und eine Nachricht ein paar Stunden später reichen. Die meisten Kunden empfinden das als normal, viele sogar als Wertschätzung.

Was ist, wenn nach meiner Bitte eine schlechte Bewertung kommt?

Dann haben Sie eine ehrliche Rückmeldung, aus der Sie lernen können. Antworten Sie sachlich und freundlich. Je mehr zufriedene Kunden ebenfalls bewerten, desto weniger fällt eine einzelne kritische Stimme ins Gewicht.

Kann ein Kunde anonym bewerten?

Bei Google erscheint die Bewertung unter dem Namen des Google-Kontos. Ein Text ist aber nicht Pflicht, auch eine reine Sternebewertung ist möglich. Wer lieber gar nicht öffentlich auftreten möchte, kann dem Betrieb direkt eine Rückmeldung geben.

Fazit

Kunden bewerten selten von sich aus, aber viele tun es gern, wenn sie jemand persönlich darum bittet und der Weg kurz ist. Die größte Hürde liegt deshalb oft im eigenen Betrieb. Wer das Fragen in den Ablauf einbaut und den Menschen mit dem direkten Kundenkontakt überlässt, verwandelt stille Zufriedenheit Schritt für Schritt in eine sichtbare Reputation.

Quelle: Bitkom Research, repräsentative Befragung von 1.144 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, veröffentlicht am 6. Februar 2023.